{"id":64,"date":"2017-11-01T21:37:17","date_gmt":"2017-11-01T20:37:17","guid":{"rendered":"http:\/\/noricusprojekt.de\/blog\/?p=64"},"modified":"2018-09-21T10:00:47","modified_gmt":"2018-09-21T08:00:47","slug":"64","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/2017\/11\/01\/64\/","title":{"rendered":"Burghoheit verhindert h\u00f6chstes Wohnhochhaus Europas in N\u00fcrnberg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Mitte der 60er-Jahre sollte in N\u00fcrnberg das h\u00f6chste Wohnhochhaus Europas entstehen. Es sollte auf dem so genannten \u201eZeltnerh\u00fcgel\u201c am Ufer des k\u00fcnftigen W\u00f6hrdersees, unweit der N\u00fcrnberger Altstadt errichtet werden. Warum es letztendlich nicht dazu kam, lesen Sie in folgendem Beitrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u201eDie Deutsche Wohnbau AG will am zuk\u00fcnftigen W\u00f6hrder See einen 42-st\u00f6ckigen Wolkenkrater errichten. Mit 120 Metern w\u00e4re es das h\u00f6chste Wohnhaus Europas\u201c schreibt das damalige 8 Uhr Blatt im Fr\u00fchjahr 1966. \u201eEs wird ohne Zweifel den eindrucksvollsten Blickfang\u201c auf dem Zeltnerh\u00fcgel bilden\u201c, ist damals in den N\u00fcrnberger Nachrichten zu lesen. Jedenfalls werde das Projekt die Silhouette N\u00fcrnbergs einschneidend ver\u00e4ndern, so die N\u00fcrnberger Zeitung und die DEBA-Verantwortlichen schw\u00e4rmen vom zuk\u00fcnftigen Ausblick auf die Stadt und auf den \u201eglitzernden See\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald relativiert man den Superlativ, ist doch nur noch von Deutschlands h\u00f6chstem Wohnhaus die Rede, da in Paris, Stockholm und London bereits h\u00f6here vergleichbare Geb\u00e4ude in Planung sind. Das damals h\u00f6chste Wohnhaus Deutschlands ist das 73 Meter hohe \u201e<a href=\"http:\/\/www.sw-anzeiger.de\/schweinfurt\/aktuelles\/jubilaeum-fuer-schweinfurts-hoechstes-wohngebaeude-50-jahre-im-blauen-hochhaus-d6554.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blaue Hochhaus<\/a>\u201c in Schweinfurt. Laut N\u00fcrnberger Zeitung werde das Scheibenhochhaus am W\u00f6hrdersee von sechsgeschossigen Wohnblocken umbaut und eine Gastst\u00e4tte, Tiefgarage und Ladenzentrum enthalten. Das genauere Aussehen ist noch nicht festgelegt. Der Baukunstbeirat empfielt hierf\u00fcr einen Wettbewerb, denn \u201eman kann nicht einfach nur eine Kiste hinstellen\u201c. Einige Fachleute jedenfalls w\u00fcnschen sich ein solch gro\u00dfes Gebilde gegliedert, etwa nach dem Vorbild des 65 Meter hohen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aalto-Hochhaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Aalto Hauses<\/a> in Bremen-Vahr, welches vom finnischen Architekten Alvar Aalto von 1959-61 errichtet wurde.<\/p>\n<p><strong>Baugutachten Professor Hillebrecht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anf\u00e4nglich vermeldet die Lokalpresse, \u201ean der H\u00f6he des geplanten Wolkenkratzers gibt es nichts mehr zu r\u00fctteln&#8220;, da der Stadtrat sein Jawort gegeben habe. Offensichtlich stellen sich bei selbigen allm\u00e4hlich Bedenken ein. Man l\u00e4sst Fotomontagen verschiedener Ansichten und Modellstudien anfertigen und schlie\u00dflich beauftragt man Professor Hillebrecht aus Hannover mit einem entsprechenden Baugutachten, das dieser im Februar 67`vorlegt. Hillebrecht gibt ein vernichtendes Urteil \u00fcber das ambitionierte Projekt ab. Er spricht sich gegen einen prim\u00e4r st\u00e4dtebaulichen Effekt aus, weit wichtiger sei ihm der Wohnwert des geplanten Geb\u00e4udes. \u201eJede andere Funktion eignet sich eher f\u00fcr st\u00e4dtebauliche Effektuierung als die Wohnung.\u201c Schlie\u00dflich unterstellt Hillebrecht den Verfassern, das Projekt selbst noch nicht reiflich durchdacht zu haben und kritisiert, dass 125m Bauh\u00f6he als unter verschiedenen Gesichtspunkten her untragbar und ein \u201ebedauerlicher Missgriff\u201c seien und dies ohne irgendeine Rechtfertigung oder Argumente. Seiner Ansicht nach verbiete sich ein \u201eMissbrauch von Wohnungen zu modischen, zeitgebundenen, reklameartigen Zwecken in monumentalen, dem Wohncharakter widersprechenden Gesamtformen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hillebrecht empfiehlt stattdessen f\u00fcr die Stadt N\u00fcrnberg ein grundlegendes Bebauungskonzept, das die gewachsene Silhouette der Altstadt sch\u00fctzt und welchem sich das Bauvorhaben am Zeltnerh\u00fcgel gerne akzentuierend und gleichzeitig harmonisch einzuf\u00fcgen habe. Demnach sollen die N\u00fcrnberger Burg und die T\u00fcrme der beiden Stadtkirchen St. Sebald und St. Lorenz die &#8222;Krone&#8220; der Stadt bleiben. Konkret gesagt fordert Hillebrecht zumindest in Altstadtn\u00e4he eine Bauh\u00f6he unterhalb der Turmspitzen der beiden Stadtkirchen, was f\u00fcr den Zeltnerh\u00fcgel eine Geb\u00e4udeh\u00f6he von maximal 50m bedeuten w\u00fcrde. Schlie\u00dflich empfiehlt der Hannoveraner Professor vor Ort die Errichtung eines 1:1- Modells aus Ger\u00fcststreben zur realistischen Vorstellung des geplanten Bauvorhabens. Letztendlich fordert er die Ausrufung eines seine Vorgaben bedingenden Wettbewerbs unter wenigen ausgesuchten Architekten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_71\" aria-describedby=\"caption-attachment-71\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71 size-large\" src=\"http:\/\/noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_0772-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_0772-1-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_0772-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_0772-1-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_0772-1-800x533.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-71\" class=\"wp-caption-text\">Eine Forderung Professor Hillebrechts: Der Neubau auf dem Zeltnerh\u00fcgel soll von der prominenten Burgfreiung aus betrachtet niedriger erscheinen, als der Laufer Schlagturm und die T\u00fcrme der Egidienkirche. Was daraus wurde, zeigt dieses Foto. Foto: Ralph Zitzelsberger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kompromiss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Deba-Verantwortlichen sind wie zu erwarten nicht einverstanden mit Hillebrechts Einw\u00fcrfen. Ihnen geht es darum, &#8222;auf dem Grundst\u00fcck eine gef\u00e4llige und in sich gut gestaltete st\u00e4dtebauliche Dominante&#8220; zu errichten. Nicht zuletzt aus Wirtschaftlichkeit und zur Erhaltung von m\u00f6glichst viel Gr\u00fcnfl\u00e4che strebten sie die Errichtung von wenigen und daf\u00fcr hohen Geb\u00e4uden an und halten den Bau von vielen niedrigen Bauwerken &#8222;aus Furcht vor der H\u00f6he&#8220; f\u00fcr wenig sinnvoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Generell k\u00f6nnen die Bauherren Hillebrechts Argumentation nicht nachvollziehen. Zwar best\u00e4tigen Sie den Wert der Stadtsilhouette, die sie &#8222;mit einem gelungenen von Meisterhand geschaffenen Kollier&#8220; vergleichen und deren Eindruck die \u00fcbrige Stadt &#8222;zeitlos unterstreichen&#8220; m\u00fcsse. Dagegen ist es ihnen \u201eschwer verst\u00e4ndlich, dass man den Inhalt, n\u00e4mlich das Ausstellungsst\u00fcck mit der mehr oder weniger zweckm\u00e4\u00dfigen H\u00fclle in Beziehung bringt. Wir sind der Auffassung, dass das am Zeltnerh\u00fcgel zu errichtende Bauwerk nie in direktem Zusammenhang oder gar als Konkurrenz zur Altstadtsilhouette gesehen werden wird, sondern als wohltuender Kontrast, der den Geist der vielen Jahrhunderte, die zwischen diesen Bauwerken liegen, wirkungsvoll wiedergibt.\u201c Auch die Errichtung eines 1:1-Modells lehnt man rigoros ab mit der \u00dcberzeugung, \u201edass die Stadt N\u00fcrnberg wie auch wir sich selbst ein Armutszeugnis ausstellen w\u00fcrden. Wir glauben, dass weder die Stadt N\u00fcrnberg noch wir es n\u00f6tig haben uns mit so wenig Selbstvertrauen an die Arbeit zu machen. \u201cSchlie\u00dflich bittet die DEBA die Stadtverwaltung unter Ber\u00fccksichtigung des Hillebrechtschen Gutachtens um Zustimmung einer Bebauung in doppelter H\u00f6he des vor Ort vorhandenen Schornsteins, sprich der Bauh\u00f6he von 64 Metern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich veranlasst die Stadt N\u00fcrnberg einen Wettbewerb zwischen vier ausgew\u00e4hlten Architekten. Der Entwurf von Harald Loebermann bekommt den Zuschlag. Am 27.7. 1967 schreibt die N\u00fcrnberger Abendzeitung: \u201eN\u00fcrnberg bekommt eine Kleinstadt\u201c. Der damalige Baureferent Heinz Schmei\u00dfner wird darin zitiert: \u201eurspr\u00fcnglich wollten wir dort einmal ein 42 geschossiges Geb\u00e4ude hinstellen. Nach dem Stuttgarter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hannibal_(Stuttgart)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eHannibal\u201c<\/a>-Projekt hatten wir ihm den Namen \u201eHastrubal\u201c gegeben. Jetzt haben wir von solch einem Riesen-Haus abgesehen. Wir bauen jetzt nur noch einen Noricus.\u201c<\/p>\n<p><strong>Tut H\u00f6he der Stadt gut?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber zu spekulieren, wie es w\u00e4re, h\u00e4tte man das 42-st\u00f6ckige Geb\u00e4ude gebaut. Spannend ist die Frage allemal. W\u00fcrde der Stadt ein solch auff\u00e4lliger Kontrast zur Altstadtsilhouette gut tun? Um die geplante H\u00f6he des Wohnhochhauses anschaulich zu machen, muss man nur den \u00e4hnlich hohen Businesstower betrachten. Tut dieser dem Stadtbild gut? Oder st\u00f6rt er eher den Blick. Von der Altstadt ist der Tower ca. einen Kilometer weiter entfernt, als der Noricus, was die Gr\u00f6\u00dfenwirkung etwa von der Burgfreiung aus gesehen etwas mildert. Schlie\u00dflich muss sich jede\/r selbst eine Meinung dar\u00fcber bilden, auch wenn die Entscheidung dar\u00fcber, wie und auch wie hoch gebaut wird, im Normalfall von der Stadtverwaltung entschieden wird. Offensichtlich hatte das Baugutachten von Professor Hillebrecht jahrzehntelange G\u00fcltigkeit: In direkter Altstadtn\u00e4he jedenfalls wurden keine die Burg \u00fcberragende Hochh\u00e4user gebaut.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97\" aria-describedby=\"caption-attachment-97\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-97 size-large\" src=\"http:\/\/noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_9785-01-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_9785-01-1024x683.jpeg 1024w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_9785-01-300x200.jpeg 300w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_9785-01-768x512.jpeg 768w, http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/IMG_9785-01-800x533.jpeg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-97\" class=\"wp-caption-text\">Der Businesstower, vom Dach des Noricus aus aufgenommen. Mit seinen 135 Metern H\u00f6he ist er um einiges gr\u00f6\u00dfer als der h\u00f6chste Noricus-Turm. Foto: Ralph Zitzelsberger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte der 60er-Jahre sollte in N\u00fcrnberg das h\u00f6chste Wohnhochhaus Europas entstehen. Es sollte auf dem so genannten \u201eZeltnerh\u00fcgel\u201c am Ufer des k\u00fcnftigen W\u00f6hrdersees, unweit der N\u00fcrnberger Altstadt errichtet werden. Warum es letztendlich nicht dazu kam, lesen Sie in folgendem Beitrag. \u00a0\u201eDie Deutsche Wohnbau AG will am zuk\u00fcnftigen W\u00f6hrder See einen 42-st\u00f6ckigen Wolkenkrater errichten. Mit 120 &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/2017\/11\/01\/64\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBurghoheit verhindert h\u00f6chstes Wohnhochhaus Europas in N\u00fcrnberg\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":96,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[],"class_list":["post-64","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-baugeschichte"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":166,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64\/revisions\/166"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.noricusprojekt.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}